Mittwoch, 14. Juni 2017

Rally

Wenn schnelle Autos mit Nummern so schnell wie möglich eine Strecke abseits der Rennbahn absolvieren, dann nennt man das eine Rallye. Wenn 25 Wohnmobile des "Auto Sleepers Owners Club" sich gemeinsam auf den Weg nach Turckheim machen, dann nennt sich das eine Rally. Wenn Vater sich genau in dieser Zeit genau diesen Platz aussucht, dann nennt sich das Pech (für die Platzwahl) und interessant.

Gleich über das Flüsschen sind diese Briten hingefahren. Das "Hauptquartier" war gestern schon da - zwei Gespanne die sich so aufgestellt haben, dass dazwischen eine grosse Fläche entstanden ist. Dort fand heute der Begrüssungsempfang statt, gleich neben der gehissten Clubfahne. Wie meinte schon Obelix? Die spinnen die Briten...aber sie spinnen auf eine sympathische Art und Weise.

Mittwoch ist übrigens Flammkuchen-Tag auf dem Camping. Blöd für mich, denn mein Kühlschrank ist voll - was tun?
Kochen und Morgen in Turckheim eine Crepe essen gehen. Dafür weniger zum Frühstück, ein Baguette ist einfach zu viel für mich alleine....

Colmar

09:40 fährt mein Zug - so stand es im Fahrplan. Und weil die hier keinen Taktfahrplan haben, gibt's dann eine Lücke bis kurz vor Zwölf. Deshalb wollte ich diesen sicher erreichen und war 10 Minuten zu früh da, weil mein GA hier ja nicht gültig ist - und wann habe ich zuletzt ein Billett am Automaten gelöst? Und wann zuletzt im Ausland? Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste....
Hier funktionieren die Automaten modern, mit Drehrad und Auswahlknopf - und nach dem Sympany-Prinzip: Art des Billetts? Abfahrtsort? Zielort? Anzahl Erwachsene? Anzahl Kinder? Einfach oder Retour? In welchem Zeitraum gültig? (immer 7 Tage, aber ab Heute, Morgen, Übermorgen,....) Anzahl Billette? Irgendwann konnte ich dann zahlen und der einfache Preis von 4 € brachte es mit sich, dass ich passendes Münz hatte. Und was nicht passt, wird vom Automaten passend gemacht - der gibt nämlich kein Rückgeld! Dafür muss man dann das Ticket noch entwerten, irgendwo auf der Seite wo's grad passt.

Der Zug nach Colmar fährt hier auf Gleis E, jener nach Munster auf Gleis D - andere Gleise gibt es nicht. Vielleicht ist das die Bezeichung der Regionalbahn-Perrons, in Colmar kam unser Zug auf D an und vis-a-vis war E ebenfalls mit einem baugleichen Dieselzug besetzt. Jedenfalls war ich dann schon 10 Minuten später mitten im Fachwerkhaus-Colmar. Auf demWeg dorthin überquerte ich einen Platz und mir fielen einige komische Platten auf, die so komische Löcher hatten. Als Berner kam mir spontan der Bundesplatz in den Sinn und ich machte vorsichtshalber einen Bogen darum. Auf dem Rückweg war das Teil dann in Betrieb - siehe Foto....

Colmar lässt sich gut zu Fuss erkunden. Das gibt zwar einige Kilometer, aber man kann sich dann überall immer wieder mal hinsetzen und die Kulisse auf sich wirken lassen. Es war auch kein grosses Gedränge, abgesehen von Klein-Venedig - von dieser Brücke fotografieren einfach wirklich alle Touristen - und ein paar Touristengruppen. In engen Gassen kommen diese einem wie eine Welle entgegen, ein Touristen-Tsunami sozusagen. Die machen auch keinen Milimeter zu viel Platz und bleibt man einfach stehen, dann laufen sie beinahe in dich rein.
So hatte ich denn auch keine grosse Lust, den Touristenzug durch die Stadt zu besteigen. 6€50 ginge ja noch, aber in 35 Minuten durch die ganze Stadt....irgendwie zu japanisch für mich und ich bin ja noch gut zu Fuss.

Das schönste an Colmar sind die Häuser und Gassen. Die Kanäle sind nett, das Schöne daran pflegen die Hüter des Tourismus mit unzähligen Blumen und zahlreichen Informationstafeln in der ganzen Altstadt. Weniger gut gefallen hat mir, dass doch viele der Strassen nicht ganz autofrei sind. Die Franzosen fahren eben zu gerne Auto.... Der Marché Couverte war eine leise Enttäuschung in touristischer Hinsicht. Es ist ein ganz normaler Markt (Früchte, Gemüse, Fleisch, Käse) ergänzt mit ein paar Touristenfallen (Bar, Restaurant, Souvenirs). Das Gute daran: es scheint noch ein wirklicher Markt zu sein wo Einheimische einkaufen können, ich vermute aber, die Mieten sind hoch und die Verkaufspreise dann eben auch. Irgendwie weder Fisch noch Vogel....

Essen mochte ich nichts, da hatte ich zu gut gefrühstückt. Trinken wäre was Sinnvolles gewesen, aber alleine macht das keinen richtigen Spass. Zudem war die Entscheidung auch gekoppelt mit dem Zugfahrplan: gehe ich nicht um Eins, wird es fast Vier.... Essen und Trinken hatte ich auch zu Hause und meine müden Füsse hatten den Stichentscheid.

Die erste Nacht

Sie war mild diese erste Nacht, bis halb elf Uhr sass ich draussen und habe den Abend genossen. War ziemlich wenig los hier, mit dem Eindunkeln verzogen sich die Meisten in ihre Wohnwagen, Zelte und Wohnmobile. Ich bin eben eher wieder einer der Jüngeren hier auf dem Platz.
Heute war ich dann wieder einmal um sechs Uhr wach - diesmal habe ich aber eine gute Ausrede: ein wohlbekanntes Zischen hat mich aus dem (leichten) Schlaf gerissen. Das Zischen eines Gasbrenners, für einige Sekunden nur, aber einige Male hintereinander. Da die Fenster so ziemlich alle offen waren, war das gut zu hören. Das lag aber auch daran, dass der Heissluftballon eben erst gestartet war und genau über unseren Campingplatz fuhr. Bis ich dann mal die Kamera zur Hand hatte, war der Ballon schon weit weg und ich hellwach.

Nun gut, eine Dusche war angesagt, dann war ich nachher wach, sauber und entspannt. Das neue Sanitärgebäude ist wirklich schön angelegt, aber einige praktische Details hätte ich persönlich anders gelöst: da ist mal das WC, alles vorhanden ausser einem Kleiderhaken und einer Ablage für irgendwas - man hat ja doch immer mal was dabei wenn man auf's Klo geht, ein Necessaire oder das Duschzeug eben. Wohin damit? Dann die Dusche, die hat eine kleine Trennwand zwischen Vorraum und Dusche. Ein altbekanntes System. Und es gibt sogar einen doppelten Kleiderhaken - bloss ist der auf der nicht geschützten Seitenwand angebracht! Machte allerdings eh keinen Unterschied weil die Luftbrause nahezu alles vollspritzte was sich irgendwo in der Kabine befand. Und eine Ablage für Shampoo und Duschmittel gibt's nur hinter der Schutzwand, da tropft man gleich selber alles voll....

Erkenntnisse für's nächste Mal: es gibt zwei Duschkabinen-Arten hier, jene mit Lavabo haben die grössere Schutzwand und die Haken auf der richtigen Seite. Und: die kleine Düse wo der Wasser-Luftstrahl rauskommt, der lässt sich in der Richtung etwas verstellen. Ganz wichtig: genug Zeit einplanen, es dauert etwas, bis nan richtig nass ist - vor allem die Haare.

Dienstag, 13. Juni 2017

Hier werden sie beobachtet

Das liebe Aufstellen und Einrichten des Fernsehers hat mich ja schon des öftern an den Rand des Wahnsinns gebracht. Nun, das ist weitgehend Geschichte, seit ich den schweineteuren Schwaiger Satfinder im Einsatz habe. Der kostete mich über 200 Franken, dafür keine Nerven mehr beim Aufstellen. Das Teil erkennt nicht nur Signalstärke und -qualität, sondern auch welcher Satellit gerade empfangen wird. Und das Ganze funktioniert auf zwei dieser Empfangsstöpsel (weil Europa geht über Astra, die Schweiz und andere suspekte Staaten über Hotbird - drum braucht der Schweizet zwei).

In diesem Frühjahr war unser Empfang vom Winde verwehrt, weshalb ich jetzt noch eine Windstütze gebastelt habe.  Nun kann eigentlich nichts mehr schief gehen, hat im Beatenberg funktioniert, funktioniert auch im Elsass. Aber man wird ja bekanntlich beobachtet von den Mitcampern....

Kommt plötzlich ein freundlicher Niederländer zu mir auf den Platz. Sein Landsmann hätte Probleme beim Einstellen des Satelliten, er selber habe einen Satfinder (Anmerkung der Redaktion: so ein billiger der nur mehr oder weniger pfeifft...,) aber keinen Erfolg gehabt damit. Ich hätte doch so professionell meine Schüssel ausgerichtet....ob ich vielleicht helfen könne....
Und Piggeldy sprach zu Frederick: nichts leichter als das....
Wir haben das "Schüsselchen" von Onkelchen aus den Niederlanden zum Laufen gebracht. Mit Hilfe eines Brettonen (der uns sagte, welchen Satelliten er empfängt und als Referenz diente) und dieses tollen Produktes aus deutscher Produktion. Eine europäische Kooperation sozusagen, der Schweizer hat nur die Investition getätigt...

Turckheim

Das Städtchen mit dem mittelalterlichen Kern gleich neben Colmar war heute mein Ziel. Die Fahrt verlief staufrei und ich kam gut voran bis Colmar. Dort wunderte ich mich etwas darüber, dass meine Ausfahrt mit Colmar Centre angeschrieben war. Und als ich am Bahnhof vorbeifuhr, wusste ich: hier wollte ich heute gar noch nicht hin. Das Navi hat die schnellste Route gefunden und mich eben so gelotst, dass ich etwas zurückfahren musste. Passte aber trotzdem, wenn ich auch anders gefahren wäre.
Den Hyper U habe ich jedenfalls tiptop gefunden, Parkplätze hatte es genügend und darum auch zwei für mich - man gönnt sich ja sonst nichts. Gefunden habe ich auch alles was ich wollte im Laden und obwohl ich es gemütlich nahm, war ich schnell wieder an der Kasse. Vor mir zahlte eine Kundin kit einem Check, und das ist hier zwar verbreitet, aber auch einigermassen kompliziert: Ausweis notieren, Telefongespräch mit einer Dame zum Anmelden, Check in ein Gerät einführen (vermutlich ein Scanner), warten bis er wieder rauskommt. Ging natürlich nicht beim ersten Mal, darum das Ganze in der Version "doppeltes Lottchen".
Dann war ich dran, alles ging glatt bis auf mein Poulet - hier im Laden verpackt und offenbar auch vermurkst: einscannen? Fehlanzeige! Telefon, warten, schlurp schlurp der Metzger im Anmarsch....neu Verpacken war angesagt und....Warten. Gut, ich habe ja Ferien, kein Problem also. Die Kassiererin wollte aber weiterarbeiten, deshalb parkierte sie meinen Einkaufszettel. Und das geht natürlich....mit Hilfe des Telefons. Danach konnte sie einen Kunden bedienen und als mein Fleisch da war, einfach den alten Kassenzettel einscannen und das Fleisch gleich hinterher.

Den Campingplatz habe ich dann einigermassen gut gefunden. Irgendwo meinte das Navi "Links" und im nächsten Dorf sagte das Steassenschild "Déviation" - und zwar in die Richtung von "Rechts". Etwas später meinte das Navi wieder "Links" und ich dachte "Schotterpiste - nein danke". Ein Navi ist eben nur eine Hilfe, denken muss man immer noch selber. Das war dafür bei der Platzwahl weniger wichtig - von den 110 Plätzen waren gerade noch drei frei, die Auswahl daher nicht so schwierig.

So, nun sitze ich an der Fecht (le Fluss heisst so) und schaue den Störchen zu wie sie auf dem Platz rumstelzen oder an und zu hört man sie auch wirklich klappern.

Donnerstag, 20. April 2017

Heimfahrt

Es war windig kühl in Südfrankreich, aber der Wind hatte etwas nachgelassen. Trotzdem, wir sind nun in Neydens bei Genf, sonnig kalt ist es hier und die Nacht wird noch kälter. Die Heizung läuft bereits und wir freuen uns auf ein feines Abendessen im Restaurant. Wir freuen uns auch auf die nächsten Camperferien, aber für den Moment ist es gut. Sonne hatten wir viel, die Temperaturen aber waren doch überall tiefer als erwartet - im Süden kühl und hier jetzt eben kalt. Das macht einfach müde diese Kombination aus Sonne, kühlen Temperaturen und stetigem starken Wind.

Wir sind nicht die einzigen Camper auf der Rückreise. Der Platz hier ist einmal mehr äusserst gut besucht, insbesondere Schweizer sind hier gut vertreten. Ich vermute mal, dass die meisten heimwärts reisen, vielleicht aus den verlängerten Osterferien, mit schönen Erinnerungen im Gepäck, so wie wir.

Mittwoch, 19. April 2017

Nachtübung

Gestern war nicht unbedingt einer meiner besten Campertage. Die Fahrt stand zwar unter dem Motto "alles Gute kommt von Norden" - sprich wir hatten tollen Rückenwind, zeitweise nicht so tollen Gegenwind, aber so richtig los ging es erst auf dem Campingplatz. Zuerst mal musste bei der Anmeldung eine Platznummer rein - irgendeine. Ok, die passte uns dann natürlich nicht weil zu schattig. Überhaupt fiel uns die Auswahl schwer weil doch viele der Parzellen einen starken Hippie-Charakter aufwiesen: statt langer Haare war es das hohe Gras, und ich meine hoch.
Die Parzelle 548 hat uns gut gefallen und das habe ich vorne dann auch gemeldet. Man bekommt dann eine korrigierte Rechnung ausgedruckt auf der die neue Parzellennummer ersichtlich ist. Hätte ich das gleich überprüft, wäre uns ein dritter Gang an die Reception erspart geblieben: auf der Rechnung stand nämlich 558 statt 548..... Gut, wir haben dann noch gleich erfahren, dass das WiFi jetzt zwar gratis ist, dafür aber nicht wirklich toll funktioniert. Der Anmeldeserver ist nicht erreichbar, oder anders gesagt: das WiFi kostet nichts, ist aber wie der Franzose sagt "nulle".

Tsja, und da war noch das Aufstellen. Der Teppich mutierte in Ansätzen zu einem fliegenden Teppich - aufgrund der Grösse konnte er zum Glück nicht abheben. Von der Satellitenschüssel Marke Tattergreis habe ich bereits geschrieben, die zittert sich weiter tapfer durch jede Windböe. Und die gut verzurrte Markise haben wir in einer Nacht- und Windaktion  (nein, kein Nebel) morgens um halb Drei abgebaut. Die ersten 24 Stunden standen unter dem Motto "vom Winde verweht".....