Samstag, 18. November 2023

Routine

Irgendwie komme ich mir gerade etwas festgefahren vor. Nach den erfrischend anderen Urlaubstagen in Puerto de Mogàn, habe ich hier schon in den ersten 24 Stunden ein Gefühl von Routine bekommen. Das ist ja nichts Schlechtes, aber irgendwie eben auch erschreckend, wie ich sofort in die Gewohnheiten der letzten Jahre verfalle: Café Regina zum Beispiel, oder den Apero an der Hotelbar auf der Terrasse. Frühstück um Viertel nach Acht, weil es später zu voll wird. Ich werde mich in den nächsten Tagen bemühen, auch mal neue Wege zu gehen...
Was ich beibehalten werde, ist das Schreiben am Morgen in der Hotellobby. Weil das Zimmermädchen zu sehr unterschiedlichen Zeiten vorbeikommt - zwischen 09:30 und 14:30 habe ich schon alles erlebt - lohnt es sich, morgens mal aus dem Zimmer zu gehen. Und das eben etwas früh, dann ist das Zimmer frei für den Service. Am Morgen in der Lobby sieht man auch am meisten in kurzer Zeit. Die einen gehen zum Frühstück, andere zurück ins Zimmer. Einige kommen vom Morgenschwimmen am Strand in weissen Bademänteln und bestenfalls irgendwelchen flachen Latschen. Wiederum andere sind bereits auf dem Weg zu ihren Liegestühlen und den Sonnenschirmen. Das Hotel stellt diese zur Verfügung, aber sie sind halt nicht unbegrenzt vorhanden. Der frühe Vogel fängt den Wurm, das stimmt schon. Aber es gibt ja in Las Palmas nicht nur den Strand, und das Wichtigste: die Canarias liegen nicht auf diesen Liegestühlen, sondern meist auf dem Badetuch im Sand. So habe ich das fast immer gemacht, wenn es Sand oder Rasen hatte, ich bleibe dabei.
Auch wenn man schon das Wichtigste gesehen hat, lohnt es sich doch immer wieder, die besten Orte aufzusuchen. Den Weg rauf auf die Kathedrale werde ich mir heute wohl schenken, aber die Altstadt La Vegueta mit der Einkaufsstrasse La Triana wird es wohl werden. Ich versuche einfach mal, noch ein paar neue Wege zu finden...

Freitag, 17. November 2023

Las Canteras

Es ist hier eigentlich so wie immer, aber ein Stück wärmer als auch schon. Am Morgen hatte mich der Gemeine-Handwerker etwa ab 10 Uhr kirre gemacht. Ich wollte ja zuerst noch später auf den Bus, weil ich sonst viel zu früh im Hotel angekommen wäre. Aber der Lärm war mir dann doch zu viel, also "flüchtete" ich vom Zufluchtsort der Stille - welche Ironie. Um 11 Uhr stand ich mit Sack und Pack am Busbahnhof, der Kaffee musste warten bis Las Palmeras. 

Ich war also kurz nach Eins im Hotel - soweit, so gut. Einchecken konnte ich, bezahlen auch, dann war aber Ende Gelände. Rucksack gross in den Gepäckraum, Rucksack klein an den Rücken und ab an die Promenade. Sieht noch ziemlich gleich aus wie im letzten Jahr, und doch gibt es feine Nuancen: der Italiener ganz oben an der Spitze ist noch da, aber kaum Leute im Restaurant. Bei La Oliva ist es ähnlich, zwar gut besetzt, aber hei - es ist Freitagabend und da ist es im Normalfall rappelvoll. Bei Café Regina ist es recht voll, zumindest draussen war nichts frei vorhin. Ich war aber am Mittag - sprich um Zwei- schon dort und hatte nach knapp 10 Minuten einen Tisch. Da gab's dann auch den aufgeschobenen Kaffee, aber erst nach einem Bier und etwas zwischen die Zähne. 

Das Zimmer ist wie gewohnt gut und durchdacht eingerichtet. Ich bin gleich neben dem Zimmer vom letzten Jahr, mittlerweile das dritte Zimmer welches ich bewohnen darf - jedes war irgendwie anders eingerichtet. Zwar exakt die gleichen Möbel und Accessoires,  aber immer etwas anders angeordnet. Für ein Einzelzimmer ist es jedenfalls gross genug, und was immer gleich bleibt, ist der Ausblick auf Meer und Strand - Letzterer heisst eben "Las Canteras"...



Auf nach Las Palmas

Heute ist wohl der schönste Tag seit meiner Ankunft. Wettertechnisch gesehen, denn gerade hat ein Arbeiter der Gemeinde damit begonnen,ein Loch in den Fussweg zu bohren. Ich glaube, der arbeitet für die Wasserversorgung - jedenfalls stand ein so angeschriebenes Fahrzeug gestern am Fuss des Weges. Und ja, er hatte gestern bereits hier gebohrt, einfach an einer anderen Stelle. Die Frage, welche sich nun stellt: bleiben und die Aussicht geniessen, oder gehen und viel zu früh im Hotel in Las Palmas ankommen? Ich bin allerdings so oder so darauf eingestellt, dass mein Zimmer noch nicht bereit sein wird. Check-in ab 16 Uhr wird schwierig, aber es ging in der Vergangenheit auch früher. Bloss halt nicht schon um 13 Uhr... immerhin bin ich bereits in passender Kleidung unterwegs und nicht in langen Hosen.
Puerto de Mogàn war in jedem Fall eine Reise wert. Der Ort ist etwas verschlafen im Vergleich mit Las Palmas, aber doch nicht ein Touristenghetto wie die anderen Orte hier an der Südküste. Hier leben noch zahlreiche Spanier, auch wenn die Touristen wohl in der Überzahl sind. Insbesondere der alte Ortsteil klingt abends vollends spanisch, es hat auch keine klassischen Hotels hier, nur kleine Guesthouses wie dieses. Ein guter Grund wiederzukommen - mal schauen, wann sich die Gelegenheit ergibt. 

Donnerstag, 16. November 2023

Dolce far niente

Es macht einfach Spass, keine Pläne für den Tag zu haben. Auf diese Weise ergeben sich ganz neue Möglichkeiten,  die man nutzen kann, oder auch nicht. Mein Tag begann wie üblich mit einem Omelette mit Käse und Schinken. Dann wollte ich mal wieder irgendwo einen guten Kaffee geniessen, konnte mich aber nicht so recht für ein Restaurant entscheiden, das altbekannte Problem kurz vor Mittag. Nun gut, da war doch noch diese Fähre... und die stand tatsächlich gleich da. Nix wie los sagte ich mir und kaufte mir ein Retourticket. Bei mir wurde es dann ein Rundfahrticket, weil mich die Touristenghettos nicht wirklich zum Aussteigen verlocken konnten. Ich mag das diesen Leuten ja wirklich gönnen, wenn es das ist, was sie suchen: Urlaub mit Landsleuten unter sich. Auf einem der Hotels entdeckte ich sogar eine schwedische Fahne - es hätte auch eine norwegische, dänische oder deutsche sein können.
Interessant dafür die Küste vom Meer aus. Ich gehe davon aus, dass die eigentümliche Schichtung auf die vulkanische Entstehungsgeschichte zurückgeht. Es gibt auch noch einige unbebaute Buchten, allerdings oft trotzdem von Menschen tagsüber in Beschlag genommen - zahlreiche Schiffe suchen solche Plätze auf, ein Tag auf und im Wasser mit genügend zu Trinken. Gut erkennbar sind solche Schiffe an der unüberhörbaren Musik. Wer das nicht mag, für den gibt es andere Angebote von Jetski über Wal-Fahrten bis hin zu einem gelben U-Boot. Die Beatles lassen grüssen....
Den Kaffee gab's dann am Mittag beim Italiener, dessen verlockendem Ruf ich einfach nicht widerstehen konnte. Dafür war ich erst um Neun beim Abendessen, einfach keinen Hunger gehabt vorher. Und hätte ich zuerst den Fussballmatch zu Ende geschaut, wäre mir dieser wohl auch noch vergangen. Vorher war ich aber nochmals am Hafen, weil da ein richtig grosses Segelschiff angelegt hatte. Wir dachten von unserer Terrasse aus zuerst, der würde am Hafen vorbeifahren. Dann hatte er aber gewendet und das Riesenteil irgendwie in den Hafen manövriert. Zufälligerweise kam die Crew gerade an Land, als ich unten ankam. Da konnte ich es mir nicht verkneifen, sie darauf anzusprechen. Ok, das machte dann Sinn, die sind vorbeigefahren, weil das Segel noch eingezogen werden musste. Vermutlich kam der Hafen etwas überraschend, war mir mit der Fähre auch so ergangen. Dafür weiss ich jetzt, dass es in zwei Wochen weitergeht in Richtung Karibik...





Dienstag, 14. November 2023

31 Grad und es wird noch wärmer

Da schneit doch gerade eine Warnung von Meteo Schweiz herein: "Hochwassergefahr in Zollikofen bei Fliessgewässern von gesamtschweizerischem Interesse". Alles klar? Mir nicht ganz, besteht jetzt bei kleineren Flüssen (sprich: die nicht von gesamtschweizerischem Interesse sind) keine Hochwassergefahr, oder interessiert das einfach nicht? Egal, hier ist jedenfalls alles ruhig, kein Regen in Sicht, kein Wind - das Meer sag heute aus wie der Thunersee wenn die Segler den Aussenbordmotor anwerfen. Wo kein Wind ist, wird es richtig warm, 31° sagte die Wetterapp, das Thermometer im Schatten des Hauses sogar 32°. Für Morgen sollte noch ein Grad mehr möglich sein, aber Morgen werde ich was Anderes kochen. Die Pouletpfanne mit Peperoni, Cherrytomaten und einer Gemüsezwiebel war etwas scharf geworden - mojo rojo piccante sei dank. Diese Sauce ist typisch für die Kanaren und heisst auf Deutsch einfach "scharfe rote Sauce". Alles klar, die Schärfe und die Wärme des Gerichts haben mich dann ordentlich ins Schwitzen gebracht.
Kaffee gibt's hier auf dem Hügel natürlich nicht. Also schon, Filterkaffee, aber den mag ich bekanntlich nicht. Nicht hier. Guten Kaffee gibt's hier an jeder Ecke, dachte ich mir. So einfach war dass dann aber doch nicht um Viertel nach Elf. Restaurants hat's wie Sand am Meer (wie passend), aber irgendwie wollte ich ja nicht einen Kaffee bestellen, wenn erwartet wird, dass man Essen bestellt. Ich orientierte mich also an den Gästen, welche  schon da waren. Was allerdings nicht wirklich half: da gab es Restaurants, die hatten noch gar nicht geöffnet, eines war sogar noch nicht einmal eröffnet. Andere waren gerade am Start mit Sonnenschirmen öffnen und Tische bestücken. Wiederum andere waren bereits sehr gut besucht, vereinzelt war auch schon Musik zu hören. Die Gäste selber....na ja. Da gab es welche, die Kaffee tranken, andere waren beim Bier, vereinzelt waren auch Sangría-Gläser zu sehen. Und dann gab es jene, die wohl irgendwas zum Frühstück bestellt hatten. Wiederum andere genossen offensichtlich ihr Mittagessen. Verwirrend für mich, aber gleichzeitig auch klar: hier waren die Touristen in der krassen Überzahl. Dann kam mir in den Sinn, dass ich noch zum Busbahnhof wollte, Linien abchecken, ich könnte ja in den nächsten Tagen noch einen Ausflug machen. Und siehe da, eine Kaffeebar wie gesucht. Perfekt, cash only und spanish only...
Die Leute hier in der Unterkunft sind überraschend alt. Ich hatte mir vorgestellt, dass die vielen Treppen und der fehlende Luxus ein eher jüngeres Publikum anziehen würde. Ich schätze, ich bin jünger als der Durchschnitt - das hatte ich nicht erwartet. Aber vielleicht haben auch nicht alle so genau gelesen und die 195 Stufen übersehen... Der Gastgeber jedenfalls ist eine coole Socke. Vor Elf kreuzt er nicht auf, dann putzt er aber ordentlich die Dachterrasse und Zimmer nach einer Abreise. Er schleppt Wasserflaschen ran und bringt den Müll weg. Und gestern ging ein Zimmerschloss kaputt, das hat er heute neu besorgt und ausgewechselt. Eine Reise um die halbe Insel, wir sind ja hier in der Provinz...






Montag, 13. November 2023

Irgendwie...warm hier

Es gab mal eine Anreise, da waren wir fast eine Stunde zu früh da. Der Jetstream hatte da gerade ideal einen Bogen nach Süden gemacht und uns jede Menge Rückenwind beschert. Das ist aber nicht die Regel, heute waren wir fast pünktlich auf der Insel. Das haben dann die Gepäckauslader kompensiert: relativ schnell kamen 20, 30 Koffer, dann wurde das Band abgestellt und wir warteten. Lange, sehr lange, aber egal - ich bin ja jetzt angekommen. 
Der Flug selber war komplett ausgebucht. Das hat man aber überhaupt nicht gemerkt, der Service war sehr aufmerksam und ein wenig besser als noch im letzten Jahr. So oft sind sie im letzten Jahr nicht mit Getränken vorbeigekommen - zusätzlich zum einen Mal mit dem Essen. Dazu gab es noch zwischendurch was Süsses, und eine Stunde vor der Landung ein paar Blätterteig-Knabbereien - Apèro hiess das beim Personal, ich habe mir aber jeglichen Alkohol verkniffen. Mir stand ja noch ein steiler Aufstieg bevor.
Der Bus war dann leicht zu finden, nach dem Chaos beim Gepäckband. Und wie gewohnt lohnte es sich nicht, auf den Fahrplan zu schauen - das hatte ich bereits im letzten Jahr gelernt. Was ich am Gepäckband an Zeit hatte liegen lassen, schien der Buschauffeur wieder aufholen zu wollen. Beschleunigen tun diese Busse ungemein (vom Dieselverbrauch sprechen wir jetzt mal nicht), und jedes Anhalten an einer Haltestelle artete in einen Bremstest aus. Andere Länder, andere Sitten. Auch das war mir heute nicht ganz neu.
Ich wusste ungefähr, wo sich das kleine Guesthouse befindet. Ich kämpfte mich also die Treppe rauf - 5 Minuten hatte es im Wegbeschrieb geheissen. Als ich mich in der Hälfte glaubte, machte ich mal ne Pause - ohne zu wissen, dass ich eigentlich schon da war. Ein paar Tritte weiter, schaute ich auf meine Google-Karte auf dem Handy und stellte fest: schon zu weit nach oben gekraxelt. Umso besser, ich war jetzt nämlich wirklich warmgelaufen, und diese Gefühl von Wärme habe ich bis jetzt nicht mehr verloren.
Das Zimmer ist gut eingerichtet, die Küche finde ich sensationell von der Lage her. Damit es was zu beissen gab, musste ich aber nochmal ganz runter und mit dem Einkauf wieder ganz rauf - und kochen - und abwaschen. Morgen gibt's dann nehr vom Ort...

ZRH-LPA

09:25, Gate 82. Das sind die Informationen zu meinem Abflug hier in Zürich. Es ist schon gemütlich, wenn man aus dem Hotelzimmer in 5 Minuten beim Sicherheitscheck steht. Der ist, wie in letzter Zeit üblich, auch ohne Piepsen und genauer Kontrolle über die Bühne gegangen. Ich bemühe mich aber auch wirklich, an alles zu denken: Portemonnaie, Schlüssel, Tablet, Handy, Flüssigkeiten im Plastiksäckchen, ja sogar mein Gurt mit der massiven Schnalle - alles wandert in diese Kunststoffbehälter und wird untersucht. Der Rucksack muss da übrigens auch durch, eine Zeitlang nach 9/11 musste man sogar die Schuhe ausziehen.
Spielte aber keine grosse Rolle, wurden die Socken halt schmutzig. Nach einer mehrstündigen Flugreise von 10° nach 30° bin ich eigentlich chancenlos - am Abend bin ich einfach nicht mehr frisch. Dafür kommen dann die sommerlichen Kleider in meinem Rucksack zum Zug. Vorausgesetzt, dieser kommt auch mit mir in Las Palmas an.